Michael Krell

Michael „Krelli“ Krell, Triathlet und Buchautor, erinnert sich an sein erstes Mal:

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Es begann im Jahr 2005. Ich erinnere mich noch sehr gut an mein erstes Mal. Damals war ich noch Student in Bamberg. Einer Laune nachgebend begleitete ich einen Freund zum Vereinsschwimmen der Bamberger Triathleten. Dies war Anfang 2005.

Nach einer überaus großzügigen Vorbereitungsphase von drei Monaten stand ich Ende Mai 2005 auch schon in Altenkunstadt beim Baur-Triathlon am Start. Zuvor hatte ich mir extra einen Neoprenanzug geliehen, um das circa 17 Grad kalte Wasser zu überleben.
An diesem Tag hieß es aber leider: „Kein Schwimmen aufgrund einer Wassertemperatur von 14 Grad“. Puhh … noch mal Glück gehabt! Mein Grinsen gefror mir aber spätestens dann, als es anscheinend völlig routinemäßig hieß: „Es wird einen Duathlon geben, bei dem der Schwimmpart durch einen anfänglichen 5-Kilometer-Lauf ersetzt wird“. Vom Regen in die Traufe!

Darauf war ich nicht vorbereitet! Entsprechend naiv startete ich die ersten fünf Kilometer mit einem heldenhaften Ritt (so schnell war ich bis dato im Training nie gelaufen) und ließ fast sämtliche Vereinskameraden hinter mir. Von diesem Gefühl himmelhoch getragen, drückte ich auf dem Rad was ging, bis genau Kilometer 20. Hier befand ich mich nämlich am steilsten Stück der Strecke. Vor mir tauchte plötzlich eine Wand auf!

Man muss dazu anmerken, dass ich immer noch auf dem „ganzen Stolz“ meines Vaters unterwegs war. Einem 12-Kilo-Diamant-DDR-Rennrad aus Stahl und einer Dreigang-Schaltung, die durch einen Hebel direkt am Rahmen bedient wurde. Das Rad wurde damals höchstwahrscheinlich ausschließlich von Fahrern mit Jan-Ullrich-Kaliber gefahren, dementsprechend reichte die gefühlte Abstufung der einzelnen Gänge von „schwer“ über „ultraschwer“ bis hin zu „unmöglich“.

Im Zeitlupentempo und dem plötzlichen Herztod nah erklomm ich den Berg. Ich hatte mehrmals das Gefühl, absteigen zu müssen, um das Ende des Tages noch zu erleben. Glücklicherweise ging es danach fast nur noch bergab, ich hätte auch keinen einzigen Höhenmeter mehr überwinden können, und der zweite Wechsel nahte. Aber weder wollte ich weitere zehn Kilometer laufen,noch irgendetwas anderes machen.

Nur hinlegen wollte ich mich. Als ich meinen Plan gedanklich bereits in die Tat umsetzte, begegnete ich in der Wechselzone leider einigen Vereinskollegen. Na ja, ihr kennt das sicher, die Blöße wollte ich mir dann doch nicht geben – und ich joggte, der Übelkeit nah, erst einmal los.

Nach vier Kilometern kamen mir schon Zweifel, ob ich noch als „Daylight Finisher“ durch das Ziel laufen würde, es war etwa 15.15 Uhr. Fast hätte ich einem Kind das Eis aus der Hand gerissen, in einem solchen Zuckerloch befand ich mich. Hätte der Vater nicht dabeigestanden …ich schwör’s, ich hätte es gemacht.

Nie wieder in meinem ganzen Leben kamen mir zehn Kilometer sooo lang vor. Irgendwann trabte ich dann letztendlich aus meinem persönlichen Tal der Leiden und des Selbstmitleids heraus, direkt über die Ziellinie.

Obwohl ich mir noch einen Kilometer vor dem Ziel sicher war: „Nie wieder eine solche Quälerei!“, war alles nach dem Überqueren der Linie vergessen, und ich dachte mir: „Super, gleich noch mal“

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