Christine Waitz

Christine Waitz, deutsche Profi-Triathletin, erinnert sich an ihr erstes Mal:

christine_waitz

Wenn ich gefragt werde, wie ich zum Triathlon kam, lautet meine Antwort stets: “Ich komme aus Roth.” Für Kenner ist keine weitere Erklärung notwendig. Roth, die “Triathlonhochburg”, wo mindestens einmal im Jahr die gesamte Bevölkerung wegen eines Wettkampfs auf den Beinen ist. Egal ob als Teilnehmer, Helfer oder Zuschauer.

So war auch meine Familie immer unter den Helfern auf der Strecke. Die Faszination beschränkte sich nicht nur aufs Zuschauen. Schon seit Jahren erlebten sowohl mein Vater als auch andere Familienmitglieder ihr ganz persönliches Triathlon-Gefühl auf der Vereinseigenen Volksdistanz.

Ich, als Unsportlichkeit in Person beschränkte mich dabei eher aufs Helfen - schließlich gab’s auch da ein T-Shirt.
Bis eine Gruppe meiner Schulkameradinnen die Schnapsidee (ok, das Wort ist in dem Zusammenhang unpassend) hatten gemeinsam auch den Schnupper-Triathlon mit zu machen. Wie bei solchen Ideen üblich, waren wir am Ende nur noch zu zweit. Dennoch starteten wir ein ehrgeiziges Trainingsprogramm und zum Tag X konnten wir immerhin kraul schwimmen und sie geforderten 2km am Stück laufen.

Für “Rookies” ungewöhnlich war nicht nur die Distanz der Gegner, sondern natürlich auch die Freundin und in meinem Fall auch mein zwei Wochen älterer Cousin (jaja, im Wettkampf kennt man keine Freunde - auch wenn es der erste Wettkampf ist;).
Außer mir vor Nervosität stapfte ich im Badeanzug zum Start. Der Rothsee war außerdem alles andere als warm. Aber da musste man durch… die Aufregung war mit dem Startschuss wie weggeblasen.

Vor meiner Freundin noch stieg ich wieder aus dem Wasser. T-Shirt übergestreift, Helm aufgesetzt und ab zu meinem Franchesco Moser Rennrad (wie gut, dass es nichts gibt, was mein Papa nicht in seinem Schuppen lagert). Auf der Wendepunktstrecke war klar: sieht gar nicht so schlecht aus. Den “Schleusenberg” war ich vorher schon oft genug hinauf gefahren, so dass ich zuversichtlich in meine Reebok-Laufschuhe schlüpfte.

Am Ausgang der Wechselzone steht mein Onkel grinsend: “Den holst du nicht mehr ein.” Wenn er das gewusst hätte… mit diesem Satz war die Entscheidung eigentlich schon gefallen… DEN lasse ich nicht vor mir ins Ziel laufen!!! Tatsächlich, am Wendepunkt lief ich an meinem Cousin vorbei und einen Kilometer weiter glücklich ins Ziel.

Für meinen Cousin war das der letzte Wettkampf. Für mich der Anfang:)

www.christinewaitz.de