Unterschied zwischen Rennrad und Triathlonrad

Ein echtes Triathlonrad sieht nicht nur schick aus, es bietet im Wettkampf auch deutliche Vorteile gegenüber einem Rennrad. Doch lohnt sich die Investition für Triathlon-Einsteiger?

triathlonrad_oder_rennradWohl eher nicht. Ein Anfänger wird die Vorteile eines Triathlonbikes kaum spüren, und im Training ist ein Rennrad zudem wesentlich flexibler. Für den ersten Triathlon ist ein Rennrad absolut ausreichend und lässt sich für spätere Wettkämpfe immer noch mit einem Zeitfahraufsatz nachrüsten.

Geometrie und Aerolenker

„Der Aerolenker ist nicht der einzige Unterschied. Viel entscheidender ist die Geometrie des Rahmens. Eine Zeitfahrmaschine hat einen Sitzrohrwinkel von 78 Grad, während ein Rennrad einen Winkel von 73-76 Grad aufweist. Bei einem Tribike sind das Oberrohr und das Steuerrohr kürzer, was die Geometrie deutlich verändert und so eine aerodynamischere Sitzposition ermöglicht“, sagt Fahrrad-Fachhändler Frank Güssgen von Cycle WERX in Köln.

sitzrohrwinkel_78_grad„Ein kürzeres Steuerrohr setzt allerdings eine gewisse Beweglichkeit des Rücken voraus. Wenn ein Hobbyfahrer aufs Tribike steigt, sollte er sich auch mit dem Rücken entsprechend weit nach unten beugen können. Zunächst wäre deshalb ein Beweglichkeitstest sinnvoll.“

Welche Vorteile hat ein Triathlet davon?

„In erster Linie geht es um die Aerodynamik. Die Aeroposition auf dem Triathlonrad reduziert die Windangriffsfläche. Der Aerolenker in Verbindung mit dem kurzen Steuerrohr sorgen so für mehr Aerodynamik. Und der Sitzwinkel ist deshalb steiler als beim Rennrad, damit der Sportler näher zum Tretlager rutschen kann. Dadurch sitzt der Triathlet vorne sehr tief im Rad und hat die Möglichkeit besser in die Pedale zu treten“, erklärt Frank.

Ohne Aerolenker geht ein Großteil der vom Athleten erbrachten Leistung durch den Luftwiderstand verloren. Je schneller man fährt, desto größer ist der Leistungsverlust, denn der Luftwiderstand steigt exponentiell zu der Geschwindigkeit. Für Radrennfahrer ist das weniger entscheidend, da im Peloton Windschattenfahren erlaubt ist. Gleiches gilt auch im Triathlon für alle Bundesliga- und internationalen Eliterennen.

sitzrohrwinkel_73_gradAuf allen anderen Strecken ist Windschattenfahren hingegen verboten. Dementsprechend ist es wichtig, möglichst effizient und kraftsparend Rad zu fahren. Mit der Aeroposition lässt sich der Luftwiderstand erheblich senken. Laut einer Untersuchung des Rennradmagazins Tour liegt der gemessene Leistungsunterschied bei gleicher Geschwindigkeit bei rund 170 Watt. Aber dafür muss man sich nicht gleich eine Zeitfahrmaschine zulegen, mit einem Lenkeraufsatz erreicht man auch auf dem Rennrad ein ähnliches Einsparpotenzial.

Triathlon-Geometrie: Hintere Oberschenkelmuskulatur ermüdet langsamer

Leider lässt sich damit aber nicht die Geometrie des Rennrades verändern, und das hat Nachteile: Der steilere Sitzwinkel auf dem Triathlonbike vergrößert nämlich auch den Winkel zwischen Oberkörper und Beinen. Gerade bei langen Fahrten ist das angenehmer zu fahren und führt zudem dazu, dass die hintere Oberschenkelmuskulatur langsamer ermüdet.

Und das spürt man nach dem Wechsel auf die Laufstrecke. Eine Studie hat gezeigt, dass den Teilnehmern die Umstellung vom Zeitfahrrad zum Laufen leichter fiel, weil sie aufrechter und mit einer größeren Schrittlänge laufen konnten. Auf der Sprintdistanz bringt das einen Zeitvorteil von über 4 Minuten.

Ein Triathlonrad bringt aber nicht nur Vorteile mit sich. Das Gewicht ist auf einer Zeitfahrmaschine kopflastiger verteilt, das Rad lässt sich daher unruhiger lenken. Besonders auf kurvigen Strecken oder in den Bergen spürt man diesen Nachteil. Ein Triathlonrad lässt sich nach Kurven schlechter beschleunigen und eignet sich nicht für längere Anstiege im Wiegetritt. Fahren in der Gruppe ist ebenfalls nicht optimal mit einem echten Tribike.

Für Hobby-Athleten und Einsteiger ist das Rennrad zu empfehlen

Frank Güssgens Fazit: „Die Investition in ein Triathlonrad lohnt sich also eher für Triathleten, die öfter auf langen Distanzen starten, im Training häufig alleine sind und vor allem lange und flache Ausfahrten absolvieren. Für das Training in der Gruppe sowie für Bergfahrten und kürzere Wettbewerbe ist das Rennrad als Allrounder besser geeignet.“

Bildquelle: Scott und Commerzbank Triathlon Team

Eine Reaktion zu “Unterschied zwischen Rennrad und Triathlonrad”

  1. Erik

    Interessiere mich für Triathlon, daher ein sehr netter Artikel. Winzige Kritik ist die Aussage über den Luftwiderstand, der quadratisch und nicht exponentiel mit der Geschwindigkeit zu nimmt.
    E.

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