Triathlon Fieber

Es liegt was in der Luft. Ansteckender als jeder Grippevirus. Es fängt meist ganz harmlos an: mit einem ersten Lauf oder einer gemütlichen Radausfahrt. Doch hat man sich einmal infiziert, bricht das Triathlon Fieber über einen herein wie ein tropischer Sturm.

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Anfänglich bemerkt man kaum, wie dieser Sport einen verändert. Stück für Stück. Viel es einem früher schwer, sich regelmäßig zum Sport aufzuraffen, kann man es jetzt kaum noch abwarten, bis die nächste Trainingseinheit beginnt. Statt gemütlich zu joggen, quält man sich mit Bergsprints. Statt Brustschwimmen wird Kraulen geübt und das bequeme Citybike gegen ein ungemütliches Rennrad getauscht. Und es macht auch noch Spaß.

Es fällt einem nicht mehr schwer, sich zu motivieren, weil man ein Ziel vor Augen hat. Und genau das ist es, was alles verändert. Ein Ziel ist der entscheidende Unterschied in der Motivationspsychologie. Es ist greifbar. Und man kann darauf hinarbeiten. Nur wer das einmal selbst erlebt hat, versteht das vermutlich wirklich. Erst dann begreift man, was es heißt: „Every Finisher is a Winner“. Mit dem Überqueren der Ziellinie im Triathlon realisiert man, wofür man so lange hart gearbeitet hat. Und das Glücksgefühl und der Stolz auf die eigene Leistung entschädigt für die vielen Entbehrungen, die man auf dem Weg dorthin erbracht hat.

Und mit den Jahren werden es immer mehr Entbehrungen. Was schleichend begann, ändert das eigene Leben immer stärker: Man trinkt weniger Alkohol, geht seltener aus, verlässt Partys als Erster und steht früh morgens auf, um Sport zu treiben. Dem großen Ziel wird alles andere untergeordnet. Als schmerzlichen Verzicht nimmt man das aber trotzdem nicht wahr. Im Gegenteil, Triathlon bereichert und prägt das Leben. Statt Strandurlaub geht’s ins Trainingslager. Die Reiseziele werden nach dem Wettkampfkalender ausgewählt und das verfügbare Geld in Sportausrüstung investiert. Außerdem übt Kohlenstoff eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf einen aus.

Aber diesen Preis nimmt ein Triathlet gerne in Kauf. Schließlich ist das Gefühl nach der Ziellinie unbezahlbar.

Bildquelle: istockphoto.com/avidhills

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