Mein erster Triathlon

700 Meter Schwimmen, 24 Kilometer Radfahren und anschließend 7 Kilometer Laufen - ein Smart-Distanz Triathlon sollte auch für einen Kraftsportler zu schaffen sein. Ein Erfahrungsbericht.

mein_erster_triathlonReichen drei Wochen Training, um den Köln Smart Triathlon erfolgreich zu beenden? Am 5. September 2009 war meine Stunde der Wahrheit.

Eine längere Vorbereitungszeit wäre natürlich besser gewesen, aber mehr Zeit hatte ich leider nicht. Wirklich unfit bin ich ja zum Glück nicht. Obwohl Krafttraining natürlich wenig hilfreich ist, wenn man spontan entscheidet, unter die Ausdauerathleten zu gehen.

Um die Zeit so effizient wie möglich zu nutzen, habe ich mich auf meine Schwachstelle konzentriert: das Laufen. Ein guter Ausdauerläufer war ich nie, eher ein Sprinter, aber bei langsamem Tempo halte ich relativ lange durch. Schwimmen ist für mich zum Glück kein Problem, auch ohne Training kann ich locker 1.000 Meter durchkraulen, und das Radfahren würde auch schon irgendwie klappen.

Dementsprechend hatte ich mir eine Zielzeit unter 2:30 Stunden ausgerechnet und im Training hauptsächlich an meinem Lauftempo gearbeitet. Dankenswerterweise hat sich mein Laufpartner auf mich eingelassen und nicht versucht, mir ein höheres Tempo aufzuzwingen. Allerdings musste ich drei Wochen lang die Lästereien der Kollegen über mich ergehen lassen: „Dein Wettkampftempo ist bei mir ReKom!“

Ja, und? Hauptsache, ich komme an. Unbeirrt durch solche Aussagen, zog ich also mein Lauftraining durch, verbesserte meine Grundlagenausdauer mit längeren Läufen, übte mich im Lauf-ABC und legte sogar ein paar Bergsprints ein. Außerdem habe ich meinen Laufstil von Fersenlauf auf Mittelfußlauf umgestellt. Dazu kamen Koppeltraining, Crosstraining mit Inlinern und ein paar Schwimmeinheiten. Um genau zu sein, war ich zweimal schwimmen; 1.200m Freiwasser im Fühlinger See und 10×50m Intervalltraining im Schwimmbad.

Am 5. September war es dann soweit. Um 10 Uhr war ich zum Einchecken am Fühlinger See. Startnummer, Aufkleber für Rad und Helm und jede Menge Unterlagen bekam ich ausgehändigt. Damit durfte ich dann in die Wechselzone und meinen Wechselplatz präparieren. Ganz wichtig: Man sollte sich die richtige Reihe merken, damit man im Eifer des Gefechts auch sein Rad wieder findet.

Leider war ich schon in der ersten Startgruppe. Ich hätte zu gerne erstmal zugeschaut, wie die anderen sich so verhalten. Keine Chance, um 12 Uhr ging es los. Ungefähr 10 Minuten vorher gingen bereits die ersten Triathleten ins Wasser. Also nix wie hinterher, schließlich wollte ich nicht den Start verpassen. Blöde Entscheidung. Ohne Neopren-Anzug kann es um diese Jahreszeit schon ganz schön kalt werden im Wasser.

Zum Glück produziert der Körper Wärme, wenn man endlich losschwimmen darf. Und meine Schwimmzeit war sogar besser als erwartet. Ich hatte mich auf der Außenbahn, weit weg vom Triathlon üblichen Gedrängel, einsortiert und war nach 16 Minuten aus dem Wasser gestiegen. Immerhin, ein Platz im vorderen Drittel.

Das sollte sich beim Radfahren aber schnell ändern. Zunächst kam aber der erste Wechsel. Dank eines Mitstreiters, der am Zaun ein Fähnchen angebracht hatte, konnte ich meine Reihe schon von Weitem entdecken. An einen schnellen Wechsel war aber nicht zu denken. Obwohl ich mich beim Schwimmen nicht verausgabt hatte, kam mir die Pause vor dem Radfahren sehr gelegen. Ein weiterer Tribut an die Kälte. Nach kurzem Verschnaufen und ein paar Schlucken Apfelschorle ging ich den Wechsel im Kopf durch: Erst Socken und Schuhe anziehen, dann Laufshirt und Radtrikot überziehen. Rückennummer zum Radfahren nach hinten und zum Schluss den Helm auf. Zumachen nicht vergessen! Sonst droht eine Disqualifikation.

Beim ersten Wechsel und dem anschließenden Radfahren büßte ich ganz schön Zeit ein. Offensichtlich hatte ich zu wenig trainiert, denn ein Radfahrer nach dem anderen zog an mir vorbei. Jetzt nur kein falscher Ehrgeiz, dachte ich, schließlich wusste ich noch nicht, wie ich mir meine Kräfte einteilen muss. Und mein alter Drahtesel hat auch schon bessere Tage gesehen. Um Ausreden war ich nie verlegen. Das Gute ist, beim nächsten Mal würde ich deutlich zulegen können. Erstaunlich, ich hatte noch nicht mal den ersten Triathlon beendet, da dachte ich schon über das nächste Mal nach. 1:04 Stunde war eine lange Zeit zum Nachdenken, aber die zweite Teildisziplin war bewältigt.

Der zweite Wechsel ging dann flotter, war ich doch mit Laufschuhen Rad gefahren und musste nur den Helm ausziehen. Den abschließenden 7km Lauf ging ich trotz oder gerade wegen der schweren Beine ebenfalls locker an. Nach etwa anderthalb Kilometern hatte ich meinen Rhythmus gefunden und konnte sogar ein paar schwächere Läufer einholen. Auch beim Laufen bin ich nie wirklich an meine körperlichen Grenzen gegangen. Zum Glück, denn die Strecke hat sich ganz schön gezogen. Auf der Zielgeraden merkte ich dann, dass die Kräfte auch für viel mehr gereicht hätten.

Meine Endzeit: 2:04 Stunden. Deutlich schneller als erwartet. Vor allem meine Laufzeit hat mich überrascht: 7km in knapp 44 Minuten, das war für mich schon extrem schnell. Insgesamt war ich hoch zufrieden, hatte ich doch meinen ersten Triathlon gefinisht. Jetzt wollte ich mehr. Beim nächsten Mal aber mit etwas mehr Training und einer besseren Ausrüstung.

Einen kleinen Wermutstropfen gab es dann aber doch. Wider Erwarten blieb der Muskelkater an den Folgetagen zwar aus, dafür habe ich aber einen kleinen Kolatteralschaden davon getragen: Schmerzen im meinem linken Knie stellten sich als Knorpelschaden heraus. Sicherlich hat der Triathlon nicht meinen Gelenkknorpel beschädigt, aber die ungewohnte Belastung hat eine vorhandene Vorschädigung aktiviert, so mein Arzt. Die gute Nachricht ist aber: Ich darf bzw. soll unbedingt weiter trainieren, da eine gut ausgeprägte Beinmuskulatur das lädierte Knie am Besten entlastet.

Damit ist der Startschuss für meinen nächsten Triathlon gefallen. Für Mai 2010 habe ich einen weiteren Jedermann-Triathlon anvisiert, im Sommer möchte ich dann einen Triathlon über die Olympische Distanz finishen. Bis dahin habe ich genug Zeit, meinen Körper behutsam auf die anstehende Belastung vorzubereiten.

7 Reaktionen zu “Mein erster Triathlon”

  1. Medora

    Wie profihaft muss die Ausrüstung sein, damit man in Köln beim Smart Triathlon mitmachen kann? Ich bin ehemalige Leistungsschwimmerin, auch schon mal zwei Marathonläufge gelaufen und Radeln tue ich auch ganz gerne. Ich habe mir vorgenommen irgendwann mal einen Triathlon zu machen und fand die Kölner Ausschreibung und insbesondere die Videos echt spannend. Nun frage ich mich, ob ich wirklich einen Triathlon Neoprenanzug und ein Rennrad brauche. Beides habe ich nicht, lediglich einen Tauch-Neo mit 3mm und ein Treckingbike.

  2. Joerg

    Hallo, für den ersten Triathlon braucht man überhaupt keine Profi-Ausrüstung, im Gegenteil, ich würde einem Einsteiger immer empfehlen, erstmal mit dem Equipment an den Start zu gehen, was da ist. Ein Treckingrad ist super, vor allem, wenn es nicht so verrostet ist, wie das 20 Jahre alte Rennrad, mit dem ich in Köln am Start war. Und das hat jau auch funktioniert. Allerdings muss ich zugeben, dass mir Radfahren deutlich mehr Spaß macht, seit ich ein gutes Rad habe. Was du allerdings zwingend brauchst, ist ein Fahrradhelm, sonst darfst du nicht starten.

    Ein Neoprenanzug ist auch nicht zwingend erforderlich, zumal die Schwimmstrecke mit 700m ja noch überschaubar ist. Für viele Triathleten ist Schwimmen allerdings eine Angstdisziplin. Und bei einer schlechten Technik bietet ein Neo durchaus Vorteile, weil er die Wasserlage verbessert. Wenn du allerdings Schwimmen kannst, ist es wohl eher eine Frage, wie Kälteempfindlich du bist. Aber das kannst du ja vorher im Fühlinger See mal ausprobieren. Wie gut man in einem Tauch Neo schwimmen kann, weiß ich nicht, deshalb würde ich eher dazu tendieren, mir einen Wetsuite zu leihen. Häufig werden im Rahmen von Triathlonveranstaltungen auch Testschwimmen angeboten, dann kannst du einen Neo mal ausprobieren.

    Alles in allem würde ich sagen, sind deine Ausgangsvoraussetzung wesentlich besser als sie bei mir waren. Also nur Mut und einfach anmelden. Du machst das schon. Aber Vorsicht, es besteht Suchtgefahr!

    Viel Erfolg in Köln. Und vielleicht sehen wir uns ja.

  3. Medora

    Hallo Jörg, Danke für Deine Tipps. Mein Rad ist zum Glück noch gut in Schuss und ohne Helm gehe ich eh nicht radeln. Ich war im Januar beim Rheinschwimmen in Düsseldorf, da allerdings mit 7mm Anzug, der wirklich etwas unbeweglich war. Ich probiere meinen 3mm Anzug einfach mal im Schwimmbad aus. Da ich aber eher eine Frostbeule bin, werde ich wahrscheinlich je nach Wetterlage eher einen Triathlon-Neo leihen. Oder ich muss halt nur schnell schwimmen, damit mir warm wird… ;-)

    Ich habe es gewagt und mich angemeldet. Wenn nicht jetzt, wann dann (bin zur Zeit in Elternzeit und kann mit meinem Babyjogger/Fahradanhänger flexibel am Tag trainieren). Insgesamt ist es halt eine tolle Motivation, nach dem Winter sich so richtig bewegen zu müssen und sich dabei nicht nur auf einen Sport zu konzentrieren.

    Dann bis vielleicht in Köln…

  4. Medora

    Hallo Jörg, seit vorgestern darf ich mich nun auch Triathletin nennen ;-). Der Köln Triathlon war einfach eine geniale Erfahrung und macht Lust auf mehr. Ich hatte mir doch noch einen Speedo Fastskin Anzug zugelegt, aber mein Treckingbike behalten. Es geht wirklich auch ohne Rennrad, zumindest für den ersten Triathlon. Nach meinem 5. Platz in der AK in 1:45h schaue ich mich nun aber doch nach einem leichteren Fahrrad um. Denn nächstes Jahr will ich beim CTW 2011 schließlich auch auf dem Fahrrad andere Teilnehmer überholen…

    PS: Euer Buch war echt klasse für die Vorbereitung und es hat mir insbesondere beim Wechsel super geholfen. Danke für die Tipps!

  5. Joerg

    Herzlichen Glückwunsch. Bin schon auf deine neuen Ziele gespannt.

  6. Medora

    Die Ziele für 2011 stehen schon fest: Cologne Swim and Run im Juni, evtl. den Hamburg Triathlon im Juli und natürlich den Köln Triathlon im September (habe mich schon wieder für die “smarte Distanz” angemeldet). Und das alles dann hoffentlich mit einem schönen (leichten) Rennrad… :-)

  7. Joerg

    Guter Plan :-)

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